Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 81 | 82 | 83 | 84 | 85 | 86 | 87 | 88 | 89 | 90 | (...) | 180 ] >>

Theater Basel, Kleine Bühne
Uraufführung
17. Mai 2014
 
"Schildkrötensoldat"
 
Von Melinda Nadj Abonji
 
Regie und Stückfassung: Patrick Gusset
Bühne: Chasper Bertschinger
Kostüme: Svenja Gassen
Dramaturgie: Eva Böhmer
Musik: Janis Giger, Lukas Huber
 
Mit David Berger, Andreas Bittl, Joanna Kapsch
 
Musiker: Lukas Huber


Wenn der Leutnant wie ein Schwein grunzt

Stürmisch klatschte das Premiere-Publikum. Die Botschaft des Stücks gegen Militär und Männlichkeitswahn war offenbar angekommen. Soweit so gut. Vielleicht würde uns aber das Schicksal des jungen Zoltan Kertész mehr anrühren, wenn uns ein Roman in die genauen Umstände einführte. Denn die in Jugoslawien (im heutigen Serbien) geborene, preisgekrönte Schriftstellerin und aktuelle Hausautorin Melinda Nadj Abonji erzählt augenscheinlich in ihrer zweiten Bühnenarbeit ein Drama aus ihrer früheren Heimat, wo das Militär nicht wie hier als unnützer, dilettantischer Pannenclub verlacht wird, sondern – wie es der Krieg zeigte – eine todbringende Realität ist.
 
Die Dichte ihrer Sprache, bunt, bildkräftig und sinnlich, entwickelt sie aus der streng subjektiven Perspektive, aus dem Innenheraus der gegeisselten Kreatur, die in Worten "Unterschlupf" sucht, in ausschweifenden, lyrischen Ergüssen vor der Welt flieht, diese mit suchtartig betriebenem Kreuzworträtsellösen abstrahiert. Und Zoltan steht trotz der vielen Schmähungen zu sich: mit Sätzen wie "Ich bin ich ohne Zoli" bringt er seinen Vater (Andreas Bittl) zur Weissglut. Bei diesem Menschen möchte man gern länger verweilen, um ihn besser kennen zu lernen. Um auch den Eindruck, den die Aussenwelt auf eine solche Natur macht, differenzierter empfinden zu können. Nadj Abonjis Sprache ist sicherlich, auch in der Spielfassung von Regisseur Patrick Gusset, nicht für die Darstellung eines Modelfalls gedacht.
 
Hier auf der Kleinen Bühne aber präsentiert sich die Geschichte wie ein Aussenseiterdrama-Stereotyp: Hochsensibles Talent in bildungsferner, derb-grober Zigeunerfamilie. Nach einem Sturz von Papas Motorrad: Zittern und Stottern. Wird runter gemacht in der Bäckerlehre. Wird terrorisiert im Militär, wo der einzige Freund Jenö bei einem Gewaltsmarsch stirbt. Starke Schuldgefühle (hat den Befehl zum Weitermarschieren nicht verweigert). Diagnose der Epilepsie. Zoltan verstummt endgültig.

Woran liegt das? Zum ersten daran, dass der junge Regisseur Patrick Gusset Nadj Abonjis Sprache überhetzt: Im Reporterstil lässt er die Sätze, oft in sagenhaftem Tempo, ausstossen. Als hätte er sich, zweitens, vor zuviel Sentimentalität gefürchtet, sind viele Szenen in einen überdrehten, karikierenden Bildwitz gedreht. Zum dritten lässt Gusset Zoltans Welt nicht aus dem Innern seines Helden wuchern, vielmehr will er sie von aussen her bebildern, dazu stilisieren und sie mit Brüchen und Verfremdungen potenzieren. Dazu zieht er das grosse Effekt-Register. Und den grossen Zeigefinger.
 
Ohne Unterlass diktiert eine vielschichtige Tonspur aus Bach-Präludien, Popsongs, Marschmusik, psychedelischen Klängen und Störgeräuschen im raschen Wechsel: jetzt Empathie, jetzt Ironie, jetzt Epilepsie. Ganz tragisch ertönen zu Beginn Basstöne und Mollakkorde, fallen rote (Blut!) Konfetti vom Bühnenhimmel.
 
Zoltan ist kein ganzer Mann? Also wird er von Joanna Kapsch verkörpert (Andersartigkeit, erhöhte Sensibilität!). Zoltans Mutter war als Mädchen unerwünscht? Also spielt sie David Berger, auf hohen Hacken (Rollenerwartungen!). Zoltans Leutnant grunzt (Schwein!). Das Personal ist oft bizarr überkostümiert. Zoltan trägt einen mit Augen übersäten Pulli (Wahrnehmungsmensch!). In den auf Kopfhöhe hängenden Scherenschnitten (Kinderwelt!) verwirrt er sich. An roten Stoffbahnen hängen die Militäruniformen, als müsste man das so zeigen, damit das Publikum die Marionettenhaftigkeit auch wirklich versteht. Und die Uniform-Schulterstücke sind mit der Fratze eines Raubtiers versehen, so dass man sich fragt, ob es sich um Zoltans Blick handelt, oder ob der Stil des Abends uns zusehends in einen Kindergarten versetzt.
 
Ganz sicher aber verdrängte das überreizte, virtuose Formspiel das eigentliche Drama vollends, wenn nicht Joanna Kapsch als Zoltan eine Überlebenstechnikerin in fremder, feindlicher Umwelt vorstellte, mit der man mitfühlen kann. So zupackend, leidenschaftlich, souverän den Raum füllend hat man die Kapsch am Theater Basel noch nie erlebt. Konzentriert und präzis agiert auch David Berger als Mutter und als Leutnant A. Ihnen verdankte die Aufführung die tragende Stütze über 75 Minuten und den Applaus.

17. Mai 2014
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Lange Jahre war er Redaktor und Produzent bei Telebasel. Heute arbeitet er als Redaktor bei "Prime News". Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

archiv2.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal archiv2.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://archiv2.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Sie unterstützt den Kanton Basel."

Schweizer Radio SRF1
in den 6 Uhr-Nachrichten
vom 2. April 2025
über die Schweizer Armee
https://archiv2.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Treffpunkt Hülftenschanz.

RückSpiegel

 

Die Basler Zeitung bezieht
sich in einem Beitrag zur Präsidiumswahl der Baselbieter Mitte auf OnlineReports.

Die Volksstimme greift den Artikel von OnlineReports über den Vorstoss im Nationalrat zur Uni-Finanzierung auf.

Die bz nimmt den OnlineReports-Beitrag zum verstorbenen Astrophysiker Maurizio Falanga auf.

Prime News zitiert in einem Interview mit dem neuen Baselbieter SP-Fraktionschef Adil Koller OnlineReports.

persoenlich.com zitiert aus der OnlineReports-Meldung über den Abgang der stellvertretenden Regionaljournal-Basel-Leiterin Marlène Sandrin.

Prime News nimmt in einem Artikel über die Krise in der Mitte Baselland Bezug auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Artikel über Klima-Massnahmen auf OnlineReports.

BaZ und Baseljetzt erzählen die OnlineReports-Recherche über FDP-Politiker Ferdinand Pulver nach, der nach seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten die IV-Rente verloren hat.

Die Volksstimme nimmt die OnlineReports-News zur Amokdrohung in der Primarschule Sissach auf.

Die bz zitiert in einem Artikel zum Kutschen-Museum in Riehen OnlineReports.

Die BaZ nimmt in einem Beitrag zu den Perrondächern in Liestal Bezug auf OnlineReports. 

Bajour bezieht sich in einem Porträt von Balz Herter auf OnlineReports.

BaZ, bz und Happy Radio zitieren die OnlineReports-Recherche über den krankheitsbedingten Ausfall des Baselbieter Mitte-Präsidenten.

Die bz zieht die OnlineReports-Recherche über die finanziellen Probleme der Mitte Baselland nach.

Das SRF-Regionaljournal Basel und die bz greifen die OnlineReports-Recherche zum Helene-Bossert-Buch auf.

BaZ, bz und Baseljetzt nehmen den OnlineReports-Artikel über den Rückzug von Pick-e-Bike aus dem Laufental auf.

Die BaZ zitiert in einer grossen Hintergrund-Geschichte zur Basler GLP aus einem Artikel von OnlineReports.

bz, BaZ und Volksstimme beziehen sich in ihren Artikeln zum Jakobushaus in Thürnen auf die Recherche von OnlineReports.

Die BaZ nimmt in einem Artikel über die Wirtschaftskammer Bezug auf ein Porträt aus dem OnlineReports-Archiv.

Die Volksstimme zitiert die OnlineReports-Recherche zum neuen Konzessionsvertrag der Elektra Baselland.

Bajour bezieht sich im Wochenkommentar auf die OnlineReports-Analyse zu den Basler Grünen.

Die bz zitiert die OnlineReports-Recherche zu den geplanten Beschwerden gegen die Salz-Sondierbohrungen im Röserental.

Die BaZ bezieht sich in einer Meldung über den neuen Geschäftsführer der Aids-Hilfe beider Basel auf eine Recherche von OnlineReports.

BaZ, bz, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den Abgang des Finanzchefs Tim Kretschmer beim Kunstmuseum Basel auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel zur Abstimmung über das Baselbieter Gesundheitsgesetz auf eine Recherche von OnlineReports zum Mangel an Kinderärzten im Oberbaselbiet.

Die BaZ zitiert die OnlineReports-Meldung über die Nachfolgelösung beim BackwarenOutlet.

Telebasel bezieht sich in einem Beitrag über Ticket-Betrüger beim Källerstraich auf ein Bild von OnlineReports.

persoenlich.com nimmt die Meldung von OnlineReports über den Wechsel des BaZ-Journalisten Sebastian Briellmann zur NZZ auf.

persoenlich.com bezieht sich auf die OnlineReports-Meldung über den Stellenantritt von Martin Regenass bei Prime News.

Weitere RückSpiegel






In einem Satz


Rebekka Hatzung,
Direktorin des St. Claraspitals, ist turnusgemäss von der Mitgliederversammlung
zur neuen Präsidentin
der Basler 
Privatspitäler-Vereinigung
gewählt worden. 

Die frühere Sprecherin des EuroAirports Vivienne Gaskell ist neue Präsidentin des Kulturvereins Elsass-Freunde Basel.

Kulturanthropologe Friedrich von Bose tritt am
1. November 2025 die Nachfolge von Anna Schmid als neuer Direktor des Museums der Kulturen Basel an.

Die 56-jährige Baslerin
Elena Guarnaccia wird per
1. April 2025 neue CEO von Kinderkrebs Schweiz mit Sitz in Basel.

Cemi Thoma wird ab
dem 1. August 2025 neuer Stadtverwalter von Liestal.

Der Verwaltungsrat der EBL hat Markus A. Meier per 1. April 2025 zum Mitglied der Geschäftsleitung und zum Leiter des neuen Verantwortungsbereichs Strategy, Assurance und Group IT ernannt.

Tanja Bugmann ist neue Geschäftsführerin der Basler Traditions-Confiserie Beschle.

Die Basellandschaftliche Pensionskasse erweitert die Geschäftsleitung: Manuel Flückiger führt künftig den neu geschaffenen Bereich "Digitalisierung und Innovation".

Stefan Nellen wird neuer Staatsarchivar von
Basel-Stadt
und damit Nachfolger von Esther Baur, die in Pension geht.

Der Verwaltungsrat des EuroAirport hat Renaud Paubelle zum neuen stellvertretenden Direktor ernannt.

Der Bankrat der Basler Kantonalbank hat den 54-jährigen Christoph Auchli, CFO des Konzerns und Mitglied der Geschäfts- und Konzernleitung, zum stellvertretenden CEO und stellvertretenden Vorsitzenden der Konzernleitung ernannt. 

Der 27-jährige Lukas Loss, ausgebildeter Pianist und Gründer des Interfinity-Musikfestivals in Basel, gewinnt den Jugendpreis des Sperber-Kollegiums 2025.

Das Comité gibt die Plakette und das Motto der Basler Fasnacht 2025 bekannt: "Syg wie de wottsch".

Das "Amt für Wald beider Basel" heisst neu "Amt für Wald und Wild beider Basel".

Die Baselbieter Regierung hat den Verein "Repair Café Binningen-Bottmingen" mit dem mit 8000 Franken dotierten Freiwilligenpreis 2024 ausgezeichnet.

Der Basler Stern 2024 geht
an den "Floss"-Kapitän
Tino Krattiger für seine Pionierarbeit im Bereich Kultur und Stadtleben sowie für sein Engagement für die Aufwertung der Rheingasse. 

Das Drum'n'Bass-Produzentenduo QZB gewinnt den Basler Pop-Preis 2024 und erhält die mit
20'000 Franken dotierte Förderung und Auszeichnung des Musikbüro Basel.

Basel-Stadt
braucht einen neuen IT-Chef: Der jetzige Dienststellen-Leiter Mario Magnanelli verlässt den Posten per Ende Mai 2025.

Die Jungen Grünliberalen beider Basel haben Timon Bischofberger neben Eileen Fischer ins Co-Präsidium gewählt.

Die Architektin und Stadtentwicklerin Barbara Buser erhält den Basler Kulturpreis 2024.

SRF-Literaturredaktor und Drummeli-Regisseur Michael Luisier ist neu Mitglied des Schnitzelbank-Comités.

Der frühere Diplomat Paul Seger übernimmt das Präsidium der Winterhilfe Basel-Stadt von Marianne Eggenberger.

Grünen-Politikerin Natalie Oberholzer aus Liestal rückt für Erika Eichenberger in den Landrat nach.

Beatrice Stirnimann, CEO der Baloise Session, wird zur "Ehrespalebärglemere 2024" ernannt.

Eventmanager Beat Läuchli wird Projektleiter des Eurovision Song Contest (ESC) 2025 in Basel.

Michael N. Hall vom Biozentrum der Universität Basel erhält den Balzan-Preis 2024 für seine Forschung zu den biologischen Mechanismen des Alterns.

Der 27-jährige Journalist Maximilian Fankhauser übernimmt im Oktober die Leitung von Baseljetzt, der Online-Newsplattform von Telebasel; die jetzige Stelleninhaberin Lea Meister wechselt zu Prime News.

Manuela Witzig, bisherige Leiterin der deutschsprachigen Unternehmenskommunikation, übernimmt per 9. September 2024 von Direktor Matthias Suhr die Leitung der Kommunikation und Public Affairs beim EuroAirport.

Evelyn Borer,
Synodenpräsidentin der Evangelischen Kirche Schweiz, ist neue Präsidentin des Vorstands von Mission 21.

Markus Habegger übernimmt am 2. August die Leitung des Tageshauses für Obdachlose in Basel als Nachfolger von
Paul Rubin.

Der Basler Rechtsanwalt und Baurechtsexperte Daniel Gebhardt wird neuer Verwaltungsratspräsident der Rhystadt AG, der grössten Eigentümerin auf dem Klybeck-Areal. 

Die Baselbieter Grünen-Landrätin Erika Eichenberger tritt im September zurück, Natalie Oberholzer rückt nach.

Ass. Prof. Dr. Prisca Liberali wird für ihre Forschung auf dem Gebiet der Gewebebildung mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Basel ausgezeichnet.

Sarah Mehler folgt am
1. Oktober als neue Geschäftsführerin der Kaserne Basel auf Eva Heller.

Markus Jordi,
langjähriges Mitglied der SBB-Konzernleitung, übernimmt am 1. Januar 2025 den Vorsitz des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Karoline Sutter und Urs Berger treten nach über zehn Jahren per 31. März 2025 aus dem Bankrat der Basler Kantonalbank zurück, die Vakanzen werden demnächst ausgeschrieben.